Die Macht der Finanzkonzerne

Ich denke das erste mal, dass ich mich näher mit dem Thema Finanzkonzerne beschäftigt habe, das muss 2014 gewesen sein, als ich auf „netzfrauen.org“ den Artikel „Black Rock – Wer regiert die Welt wirklich“ gelesen habe. Schon zu diesem Zeitpunkt war die finanzielle Macht dieser Finanzjongleure bedenklich und unheimlich. Mittlerweile dürften die Finanzkonzerne wie Black Rock, Vanguard, Fidelity und State Street ihre Macht so dermaßen ausgeweitet haben, dass es kein Land bzw. keine Regierung auf dieser Welt mehr gibt, die sich dieser Macht entziehen kann. Und Sie können mir glauben, wenn sich die Vorstände von Black Rock und Vanguard zusammenfinden und die Kopfe zusammenstecken, dann haben die beiden mehr Macht als irgendein Staatspräsident oder Oligarch. Und wer der Meinung ist, dieses Thema würde ihn ja nicht unmittelbar betreffen, der irrt sich aber gewaltig. Wenn Black Rock zum Beispiel ganze Immobilienverwaltungsunternehmen oder ganze Straßenzüge aufkauft (auch in Deutschland), dann kann es gut sein, dass Ihnen als Mieter einer dieser Wohnungen dann anschließend eine ordentliche Mietpreiserhöhung ins Haus flattert (nur als Beispiel).

 „Wer schützt die Welt vor den Finanzkonzernen?

  • Der Journalist Jens Berger hat sich in dem Buch „Wer schützt die Welt vor den Finanzkonzernen? Die heimlichen Herrscher und ihre Gehilfen“ mit Unternehmen wie Black Rock und Vanguard beschäftigt.
  • Die drei großen Finanzkonzerne Black Rock, Vanguard und State Street verwalten zusammen ein Vermögen von 15 Billionen Dollar — doch der Öffentlichkeit seien sie nahezu unbekannt.
  • Berger warnt vor einer Machtkonzentration durch die hohen Unternehmensanteile der Finanzkonzerne: „Noch nie war so viel Macht in den Händen so weniger.“
Autor warnt vor “einmaliger Machtkonzentration” großer Finanzkonzerne

Ein Artikel von Cornelia Mayer 13.01.2021 | Quelle: Business Insider

Viele Franzosen sind wütend. Seit Wochen protestieren sie gegen die Rentenreformpläne ihrer Regierung. Die will die Arbeitszeit verlängern und stärkeres Gewicht auf die private Altersvorsorge legen. Linke wie rechte Parteien und Organisationen sehen dies als Werk von US-amerikanischen Finanzunternehmen wie Blackrock. Nach einem Skandal um Nebeneinkünfte des Rentenkommissars Jean-Paul Delevoye sahen sich die Kritiker Anfang des Jahres durch einen weiteren Vorgang bestätigt: Der französische Blackrock-Chef Jean-François Cirelli wurde mit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet.

Auch in Deutschland ist die Rolle von Blackrock in der Diskussion. Aufsichtsratschef Friedrich Merz ist ein möglicher Kanzlerkandidat der CDU/CSU für die nächste Bundestagswahl. Merz plädiert seit vielen Jahren für eine Stärkung der privaten Altersvorsorge, unter anderem mithilfe von Aktien. Kritiker werfen Merz vor, dass dies seinem Arbeitgeber Blackrock — einem der größten Anbieter für Aktienfonds — nutzen würde.

Die Finanzkonzerne Black Rock, Vanguard und State Street verwalten zusammen ein Vermögen von 15 Billionen US-Dollar. Sie gehören in einer Reihe von Unternehmen zu den größten Anteilseignern. Der Journalist Jens Berger hat ein Buch über die weltgrößten Finanzkonzerne geschrieben. Der Titel macht deutlich wie Berger die Branche sieht: „Wer schützt die Welt vor den Finanzkonzernen? Die heimlichen Herrscher und ihre Gehilfen“ (Westend-Verlag),. Berger beschreibt Verflechtungen zwischen Politik und Finanzbranche und Risiken, die mit der Konzentration von Geld und Einfluss auf wenigen Unternehmen wie Blackrock, die er als „größte Schattenbank der Welt“ bezeichnet, einhergehen.

Berger sieht Finanzkonzerne wie Blackrock als Gewinner der Finanzkrise

Berger kritisiert, dass die Konzerne in der Öffentlichkeit kaum präsent seien. Während Blackrock noch einigen Menschen ein Begriff sei, seien Vanguard und Statestreet weitgehend unbekannt, obwohl auch sie „gigantische Vermögenswerte“ verwalten. „Ich finde es erstaunlich, dass sie komplett unter dem Radar sind. Jeder weiß, was die Deutsche Bank ist, was Goldman Sachs ist. Aber selbst Insider wissen mit den Namen kaum etwas anzufangen“, sagte Berger Business Insider.

Berger sieht sein Buch als Abrechnung mit dem Finanzsystem — auch in der Folge der Finanzkrise. „Mich hat geärgert, dass die Lehren, die man aus der Finanzkrise hätte ziehen können, nicht gezogen wurden, obwohl es die Möglichkeit dazu gegeben hätte“, sagt er.

Die Finanzkrise sei für Blackrock sogar ein Glücksfall gewesen. Als die Banken reihenweise in Schwierigkeiten gerieten, die Politik zum Handeln gezwungen worden sei und sich Krisengipfel an Krisengipfel reihte, seien Blackrock und sein Gründer plötzlich überall gefragt gewesen. „Larry Fink und Blackrock waren auf der Kurzwahltaste sämtlicher wichtiger Personen aus dem Finanzsystem und den Regierungsbehörden“, behauptet Berger im Buch.

Blackrock vermarktet sich als Wegweiser durch den „Dschungel des Finanzsystems“

Grund sei eine besondere Expertise des Unternehmens gewesen. „Blackrock hat während der Krise über ein Alleinstellungsmerkmal verfügt: Ihr Risikoanalyse-System Aladdin bot ein einzigartiges Wissen“, sagt Berger. In der Krise sei das Unternehmen damit „der Einäugige unter den Blinden“ gewesen und habe als einziger Akteur am Markt die toxischen Papiere in den Finanzinstituten relativ präzise bewerten können. Blackrock sei auch deswegen erfolgreich, weil sich fast niemand mehr im „Dschungel des Finanzsystems“ auskenne — auch nicht die Politik.

Berger glaubt aber nicht, dass Black Rock selbst wirklich den Überblick behalten habe. Auch das Unternehmen habe die Krise nicht vorausgesehen und falsche Analysen geliefert. Berger kritisiert eine Technikgläubigkeit. Die reale Welt sei zu komplex, um sie nur in Algorithmen zu erfassen. Diese seien „kein verlässliches Navigationssystem“.

Einer seiner Hauptkritikpunkte ist der Interessenkonflikt, der darin besteht, dass Blackrock einerseits als Gutachter auftritt und Analysen anbietet, andererseits selbst Finanzprodukte verkauft. „Blackrock kann aktiv Einfluss auf die Entwicklung seiner eigenen Finanzprodukte nehmen“, fasst Berger dies in seinem Buch zusammen. Eine „Brandmauer“ soll zwar verhindern, dass Insiderwissen zwischen beiden Bereichen im Unternehmen ausgetauscht wird. Aber Berger findet es „sehr naiv“, anzunehmen, dass diese Mauer gerade in der höheren Managementebene tatsächlich existiert: „Es ist die Frage, ob der Staat und die Finanzmarktregulierung es dabei belassen dürfen.“ Das Problem ließe sich durch eine Zerschlagung lösen.