Das Leid von Mariupol

Der heutige Krieg kann nicht verstanden werden, ohne zuerst die Rolle der  US-Regierung beim Maidan-Putsch in der Ukraine zu verstehen. ⋆ Green Pass  News

In der Stadt Mariupol findet eine menschliche Tragödie statt, die ihresgleichen sucht. Das Nazi-Bataillon Asow lässt Zivilisten nicht aus der Stadt und benutzt sie als menschliche Schutzschilde.

von Thomas Röper | 13. März 2022 03:59 Uhr | Quelle: https://www.anti-spiegel.ru

Als nach dem Maidan von 2014 die Anti-Maidan-Proteste im Donbass stattfanden, war Mariupol eine der Städte, die ebenfalls gegen den Maidan-Putsch aufgestanden ist. In meinem Buch über die Ukraine-Krise von 2014 habe ich die Chronologie des Jahres aufgezeigt. Mariupol wurde seinerzeit von den „Freiwilligenbataillonen“ unter Kontrolle gebracht, es fehlte nicht viel und es wäre Teil der Rebellen-Republiken in der Ost-Ukraine geworden.

Die Lage in Mariupol

Die Bevölkerung in Mariupol ist nicht glücklich mit der Maidan-Regierung, denn in der Region leben hauptsächlich ethnische Russen und ethnische Griechen, die sich dort selbst als „Hellenen“ bezeichnen. Da die Maidan-Regierungen klar faschistisch und nationalistisch sind, haben es die ethnischen Minderheiten in der Ukraine nicht leicht. Sie sollen zwangsweise ukrainisiert werden, ihre Sprachen wurden verboten und ein Rassengesetz teilt die ukrainischen Staatsbürger nach ihren Ethnien in drei Kategorien mit unterschiedlichen Rechten auf vielen Gebieten ein, Details dazu finden Sie hier.

Mariupol ist der Sitz des für seine Kriegsverbrechen im Donbass berüchtigte Nazi-Bataillons Asow. Daher war es von Anfang an zu erwarten, dass dort die schwersten Kämpfe stattfinden würden, denn die Kämpfer des Bataillons wissen, dass sie, wenn sie den Russen in die Hände fallen, sehr lange im Gefängnis verschwinden werden. Sie haben nichts zu verlieren.

Darunter leiden die Menschen in Mariupol, denn die das Asow-Bataillon lässt sie nicht aus der Stadt. Wer meinem Telegram-Kanal folgt, der weiß, dass ich mich am Freitag mit Alina Lipp getroffen habe, die aus dem Donbass berichtet und für einige Tage in Petersburg ist. Alina war vor einigen Tagen nur sechs Kilometer von Mariupol entfernt und konnte mit Flüchtlingen sprechen, die es gerade so aus der Stadt geschafft haben.

Die Geschichten, die die Leute erzählt haben, sind erschreckend. Alina hat auf Telegram über Beispiele berichtet, das Video finden Sie hier. Die Menschen in Mariupol sitzen fast zwei Wochen in Kellern, auf den Straßen schießt das Asow-Bataillon auf Zivilisten, wer die Stadt verlassen will, wird erschossen. In der Stadt ist kaum mehr ein Gebäude unbeschädigt, wobei die Menschen erzählen, dass das Bataillon die Stadt selbst in Schutt und Asche legt, damit den Russen die strategisch wichtige Stadt nur als Trümmerfeld in die Hände fallen kann. Auf den Straßen liegen demnach Leichen, die niemand wegräumt, darunter auch tote Kinder. Alina war von den Erlebnisberichten sehr mitgenommen und wir haben darüber auch ausführlich gesprochen.

Hier noch einmal das Video, das Alina bei ihrer Fahrt an die Front bei Mariupol gemacht hat.

In den westlichen Medien erfährt davon nichts, da wird das glatte Gegenteil berichtet. Aufgrund der wirklich schlimmen Berichte über die Lage in Mariupol, die in Russland gezeigt werden, hatte ich den Verdacht, dass die russischen Medien die Gräueltaten des Asow-Bataillons übertreiben. Aber nachdem Alina, die ich persönlich kenne und der ich vertraue, noch viel schlimmere Geschichten berichtet hat, die in russischen Medien gar nicht erwähnt werden, habe ich den Verdacht, dass die russischen Medien ihren Zuschauern die schlimmsten Berichte verschweigen. Das Ziel der russischen Regierung ist es ja, dass die von den Maidan-Regierungen geschaffene Kluft zwischen Russen und Ukrainern überwunden wird, da wären einige der Berichte für die öffentliche Meinung in Russland wohl konterproduktiv, weil sie zu grausame Details über das Vorgehen der ukrainischen Nationalisten enthalten.

Humanitäre Korridore

Bei Militäroperationen richtet Russland immer sogenannte humanitäre Korridore ein, damit die Zivilbevölkerung einer umkämpften Stadt die Stadt verlassen kann. Das hat Russland schon in Syrien, zum Beispiel im Falle von Aleppo, so gemacht, und auch in der Ukraine bietet Russland überall die Einrichtung humanitärer Korridore an. Für Kiew zum Beispiel wurde über elf Korridore verhandelt, wobei Kiew aber nur Korridoren zugestimmt hat, die nach Westen gehen, nach Osten, also auf russisch kontrolliertes Gebiet, darf man Kiew nicht verlassen.

Das ist der Grund, warum die Flüchtlinge aus der Ukraine fast ausschließlich in die EU gehen. Viele würden lieber nach Russland gehen, zum Beispiel, weil sie dort Verwandte haben. Aber das versucht Kiew zu verhindern. Das russische Verteidigungsministerium berichtet, dass über zwei Millionen Ukrainer um Evakuierung nach Russland gebeten haben, was Kiew aber ablehnt.

Die Einrichtung der humanitären Korridore funktioniert daher nur bedingt, weil Kiew es kategorisch ablehnt, dass Menschen in von Russland kontrollierte Gebiete gehen können. Im Falle von Mariupol hat Kiew gefordert, dass Busse mit Flüchtlingen aus Mariupol nicht auf das Gebiet von Donezk kommen sollen, sondern einen Korridor vorgeschlagen, der die Front zweimal überquert und auf ukrainisch kontrolliertem Gebiet endet. Aber den Korridor hat das Asow-Bataillon dann trotz Zusagen aus Kiew bis heute nicht zugelassen.

Darüber habe ich von einer Woche berichtet und seitdem habe ich die Meldungen über den weiteren Verlauf der Ereignisse in Mariupol gesammelt. Hier veröffentliche ich die Chronologie der Ereignisse, die nach meinem Artikel von vor einer Woche passiert sind. Der Artikel endete mit den Ereignissen vom 5. März, als intensiv über die Einrichtung der humanitären Korridore gestritten wurde.

6 März

Der Tag begann mit einer guten Nachricht. Der Sprecher der Donezker Streitkräfte erklärte, dass am Morgen humanitäre Korridore aus Mariupol und dem umkämpften Volnowacho eröffnet würden und dass er hoffe, dass die ukrainischen Befehlshaber ihren Untergebenen den Befehl geben würden, die Blockaden der Städte dafür zu öffnen.

Das bestätigte am späten Vormittag auch der Stadtrat von Mariupol und kündigte an, dass die Evakuierungen von Zivilisten ab 12.00 beginnen würden. Aber es kamen nicht viele aus der Stadt, Donezk meldete die Evakuierung von etwa 300 Personen. Dass das so schleppend lief lag daran, dass Kiew sich plötzlich weigerte, die Sicherheit des Korridors zu garantieren und dass das Asow-Bataillon die Stadt wieder abgesperrt hatte. Und einige Stunden später erklärte der Chef der Donezker Volksrepublik, dass der humanitäre Korridor „am fehlenden Willen“ Kiews gescheitert sei, und am Abend wurde gemeldet, dass in Mariupol auf Menschen geschossen wurde, die versuchten, die Stadt zu verlassen.

Wie schon erwähnt leben in der Region ethnische Griechen. Auch die griechische Regierung schaltete sich ein und wandte sich mir ihrer Bitte, die Evakuierung des Personals des griechischen Konsulates aus Mariupol zu erlauben, vielsagenderweise nicht an Moskau, sondern an Kiew. In Griechenland weiß man wegen der großen griechischen Minderheit in der Region mehr über die Zustände in Mariupol, als in Deutschland. Ein griechischer Fernsehsender sprach zum Beispiel mit einem dort lebenden Griechen und fragte ihn, warum er die Stadt nicht verlassen würde. Seine Antwort war:

„Wie soll ich es schaffen? Wenn man versucht, die Stadt zu verlassen, läuft man Gefahr, auf eine Patrouille der ukrainischen Faschisten, des Asow-Bataillons, zu stoßen. Sie würden mich töten und sind für die Zustände hier verantwortlich“

Keine Korridore

In den folgenden Tagen gab es aus allen umkämpften Städten der Ukraine Meldungen über von Kiew verhinderte humanitäre Korridore. Die für die „Reintegration des Donbass“ zuständige ukrainische Ministerin Irina Verenschuk erklärte zu humanitären Korridoren, die nach Russland oder Weißrussland führen:

„Das ist eine unannehmbare Variante für humanitäre Korridore.“

Kiew ist das Leben seiner eigenen Bevölkerung weniger wichtig als die Frage, wohin sie evakuiert wird. Die Menschen, so die Logik in Kiew, sollen lieber in Kampfhandlungen geraten, als nach Russland oder Weißrussland zu gehen. Das ist für mich vollkommen unverständlich, denn weder Russland noch Weißrussland würden die Menschen daran hindern, in die EU auszureisen, oder über weißrussische Grenzübergänge in die Westukraine zu gelangen. Anscheinend hat Kiew Angst davor, dass die Menschen genau das nicht tun, sondern sich beim „Aggressor“ Russland besser und sicherer fühlen, als in der Ukraine.

In Mariupol gab es keine Fortschritte, am 10. März zitierte die russische Nachrichtenagentur TASS den Sprecher der Donezker Armee mit folgenden Worten:

„Betreffend Mariupol <…>. Der humanitäre Korridor hat nie funktioniert. Die Leute verlassen die Stadt weiter auf Ziegenpfaden. Gestern sind 28 Menschen entkommen, darunter zwei Kinder.“

So ging es weiter. Am 11. März meldete der Sprecher, dass 188 Menschen, darunter 26 Kinder, es geschafft hätten, aus der Stadt zu entkommen. Die aktuell letzte Meldung dazu stammt vom Nachmittag des 12. März, darin heißt es, dass der Chef der Donezker Volksrepublik erneut erklärt hat, in der Frage des humanitäre Korridors aus Mariupol gäbe es keine Fortschritte.

Die Geburtsklinik

Wenn man diese Hintergründe kennt, dann wird klar, wie gestellt der Vorfall um die angeblich von Russland beschossene Geburtsklinik ist. Das soll sich am 7. März ereignet haben, zu einem Zeitpunkt, als die in der Stadt verbliebenen Menschen sich seit einer Woche vor marodierenden Asow-Kämpfern in Kellern versteckt haben. Wenn man das weiß, dann wird klar, wie gestellt das dazu veröffentlichte Video war.

In dem Video steht „zufällig filmender“ Mensch auf einer vollkommen leeren Straße, als sich eine große Explosion ereignet und hinter einem Haus ein Rauchpilz aufsteigt. Der Filmende rennt dann los, wobei aber keine Menschenseele auf der Straße ist, nur er allein, der aus irgendeinem Grund hellseherisch in die richtige Richtung gefilmt hat.